Nachhaltige Bewegungstherapie bei Parkinson
Erlanger Projekt mit Innovationspreis 2026 der Parkinson Stiftung ausgezeichnet
Menschen mit Parkinson leiden unter verlangsamten Bewegungen, manche zusätzlich unter Muskelsteifheit oder unwillkürlichem Zittern. Normale Alltagsaufgaben werden so zu großen Herausforderungen und die Betroffenen sind auf Unterstützung angewiesen. Der Krankheit zugrunde liegt ein langsam fortschreitender Verlust von Nervenzellen im Gehirn, für den es noch keine ursächliche Therapie gibt. Behandeln lassen sich aktuell jedoch die Symptome: So kann eine multimodale stationäre Parkinson-Komplextherapie die Motorik und damit auch die Lebensqualität signifikant verbessern. „Diese Fortschritte auch nach der Zeit in der Klinik zu erhalten und in den Alltag der Betroffenen zu übertragen, ist unser Ziel“, erläutert Prof. Dr. Heiko Gaßner, Professor für Digitale Medizin und Bewegungsanalyse in der Molekular-Neurologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Jürgen Winkler) des Uniklinikums Erlangen. „Mit unserem Projekt DigiRehaPD möchten wir ein patientenzentriertes, digitales Versorgungsmodell für die personalisierte Bewegungstherapie evaluieren, das sich unmittelbar an eine Parkinson-Komplextherapie anschließt und sowohl die Mobilität als auch die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten im Alltag langfristig verbessert.“ Für diesen Ansatz wurden Prof. Gaßner und sein Team nun von der Parkinson Stiftung in der Kategorie „Klinische Forschung“ mit dem Innovationspreis 2026 ausgezeichnet und erhalten in den kommenden zwei Jahren eine Förderung in Höhe von rund 100.000 Euro.
Das Erlanger Team wird 56 Personen mit einer Parkinson-Krankheit in die prospektive Studie einschließen. Die 28 Probandinnen und Probanden der Interventionsgruppe erhalten im Anschluss an ihre Parkinson-Komplextherapie eine sechsmonatige Nachsorge im Rahmen einer personalisierten digitalen Bewegungstherapie. Dabei werden die Betroffenen via Telemedizin von Pflegefachpersonen, Ärztinnen und Ärzten sowie Therapeutinnen und Therapeuten begleitet. Dafür nutzt das Team das digitale Versorgungskonzept „ParkinsonGo™“, das ebenfalls in Erlangen entwickelt wurde: von der Portabiles HealthCare Technologies GmbH. Die 28 Probandinnen und Probanden der Kontrollgruppe erhalten nach ihrer Parkinson-Komplextherapie die Standard-Nachsorge ohne digitales Betreuungskonzept. Mit dem Projekt soll herausgefunden werden, ob sich mit dem hybriden Telemedizinansatz unter Einbindung eines Behandlungsteams klinisch relevante Verbesserungen der Mobilität und der Lebensqualität erzielen lassen.
Multimodale Therapie mit positiven Effekten auf Motorik und Lebensqualität
In Deutschland bieten momentan über 200 Kliniken die multidisziplinäre Parkinson-Komplextherapie an. Dabei werden pharmakologische und nicht-pharmakologische Ansätze kombiniert, z. B. aktivierende Therapien wie Physiotherapie, Ergotherapie, Sporttherapie und Logopädie. Der stationäre Aufenthalt dauert in der Regel zwei bis drei Wochen, mindestens jedoch sieben Tage, und führt zu einer signifikanten Verbesserung sowohl der motorischen Symptome als auch der Lebensqualität. Die Nachhaltigkeit der erzielten positiven Effekte stellt jedoch eine Herausforderung dar, sobald die Patientinnen und Patienten wieder ihren Alltag bewältigen müssen. „Diesen Transfer in den Alltag zu bewältigen, ist entscheidend“, betont Dr. Sabine Stallforth, Fachärztin in der Molekularen Neurologie des Uniklinikums Erlangen, die das Projekt DigiRehaPD gemeinsam mit Prof. Gaßner leitet. „Wenn es uns gelingt, die positiven Effekte nachhaltig aufrechtzuerhalten, sorgen wir dafür, die Selbstständigkeit und die Unabhängigkeit unserer Patientinnen und Patienten im Alltag zu bewahren. Zudem erreichen wir damit eine hohe Zufriedenheit der Betroffenen und können das Rehabilitationssystem entlasten.“
Gemeinsames Erlanger Projekt
An dem Projekt „DigiRehaPD – Digital gestützte Rehabilitation durch telemedizinische Bewegungstherapie bei der Parkinson-Krankheit im Anschluss an die Parkinson-Komplextherapie. Ein Nachhaltigkeitsansatz.“ sind neben dem Uniklinikum Erlangen auch die Parkinsonklinik des Krankenhauses Rummelsberg, die Portabiles HealthCare Technologies GmbH und die Parkinson Selbsthilfegruppe Erlangen beteiligt.
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Heiko Gaßner
09131 85-39324
heiko.gassner(at)uk-erlangen.de




